+49 6430 9227117

Wie funktioniert Immersion Cooling?

Querschnitt eines Single-Phase Immersion-Tanks — Server tauchen in dielektrische Flüssigkeit, ein Cooling-Loop transportiert die Wärme an den Facility-Wasserkreislauf.

1 2 3 4 5 6
  1. 1
    Versiegelter Tank

    Dichter Edelstahl- oder Polycarbonat-Tank mit Deckel — verhindert Verdunstung und Spritzer der Kühlflüssigkeit.

  2. 2
    Dielektrische Flüssigkeit

    Nicht-leitfähiges Öl (z.B. 3M Novec, Shell Immersion Cooling Fluid). Wärmekapazität 1.200× höher als Luft.

  3. 3
    Server vertikal eingetaucht

    Standardserver ohne Lüfter, modifiziert für Direktkontakt mit der Flüssigkeit. Bis 20× höhere Leistungsdichte als Air-Cooling.

  4. 4
    Cooling-Loop

    Pumpe zirkuliert die erwärmte Flüssigkeit zum Heat-Exchanger und kalt zurück in den Tank.

  5. 5
    Heat-Exchanger / CDU

    Liquid-to-Liquid Wärmetauscher — übergibt die Wärme an den Facility-Wasserkreislauf. Kein Kompressor nötig.

  6. 6
    Facility-Cooling-Outlet

    Anschluss an Free-Cooling-Tower oder Außenluft-Kühlung. PUE-Werte von 1,03 bis 1,1 möglich.

Single-Phase vs. Two-Phase

Bei Single-Phase Immersion bleibt die Flüssigkeit flüssig — eine Pumpe zirkuliert sie kontinuierlich zum Heat-Exchanger und kalt zurück in den Tank. Einfacher Aufbau, bewährte Flüssigkeiten, niedrigere Investitionskosten. Standard im Mittelstand-Datacenter und bei dedicated AI-Cluster-Deployments.

Bei Two-Phase Immersion verdampft die Flüssigkeit an den heißen Komponenten — der Dampf steigt auf, kondensiert am gekühlten Lid des Tanks und tropft zurück. Höhere Wärmeübertragungs-Effizienz, aber: deutlich teurere Flüssigkeit (oft fluorinierte Verbindungen), versiegelter Tank zwingend, höhere regulatorische Anforderungen (PFAS-Klasse). Hauptsächlich in Hyperscale-Deployments wie Microsoft Azure und Google Cloud im Einsatz.

Effizienz-Kennzahlen

  • PUE 1,03 bis 1,1 — nahezu kein Overhead, vs. ~1,5 bei klassischen Datacentern
  • 20× höhere Leistungsdichte — bis zu 200 kW pro Tank statt 10-15 kW/Rack
  • 30-50% geringerer Stromverbrauch — keine CRAC-Klimaanlage, keine Server-Lüfter
  • Geräuschloser Betrieb — keine Lüfter-Geräusche, ermöglicht Office-Co-Location
  • Längere Hardware-Lebensdauer — keine Temperatur-Spikes, weniger thermo-mechanischer Stress

Praxis-Hürden in DACH

Trotz technischer Vorteile ist Immersion-Cooling in DACH-Enterprise-Datacentern noch selten verbreitet. Gründe: Standard-Server müssen für Immersion modifiziert werden (Lüfter entfernen, Cable-Management neu), klassische Hardware-Lieferanten bieten dafür kaum vorvalidierte Konfigurationen. Co-Location-Provider müssen erst Tank-Infrastruktur installieren. PFAS-Regulierung in der EU verkompliziert die Wahl der Cooling-Flüssigkeit zusätzlich — Two-Phase-Systeme mit fluorinierten Flüssigkeiten geraten unter Druck.

Realistischer Einsatz heute: dedizierte AI-/HPC-Cluster, Crypto-Mining-Farmen, Hyperscale-Pilots. Für klassische Enterprise-Workloads (SAP, Mail, Office) ist konventionelle Air-Cooling mit Free-Cooling-Loop weiter der wirtschaftlichste Pfad.

TPM-Wartung für Immersion-Cooling-Hardware

Auch in Immersion-Tanks getauchte Server brauchen weiterhin Hardware-Wartung — DIMM-Failures, Disk-Wechsel und Power-Supply-Defekte treten ähnlich oft auf wie bei Air-Cooling. Wir warten Server in Single-Phase-Immersion-Konfigurationen vendor-unabhängig, mit speziellen Prozeduren für das saubere Entnehmen + Trocknen vor Komponenten-Tausch. Bei Two-Phase-Systemen mit fluorinierten Flüssigkeiten gelten zusätzliche Handhabungs-Anforderungen — sprechen Sie uns vor dem Pilot an.

Beratungstermin vereinbaren Zurück zum Lexikon